Freitag, 12. November 2010

D. Na Endlich!

"Und jetzt schieben, feste schieben" - 'Mit schieben meinst du pressen?' - "Ja, FESTE.. Und jetzt wieder tiiiief durchatmen, immer schön in den Bauch atmen, denk ans Baby. Gleich ist es geschafft. Gleich ist alles vorbei."

Gleich? JETZT, ich will dass das JETZT vorbei ist! Ich halt das nicht mehr aus, ich kann nicht mehr, ich mag nicht mehr, lasst mir meine Ruhe!

Das und ähnliche Sätze denke ich, wimmere ich vor mich hin oder blöcke ich in den Raum. Ich dachte, am Ende geht alles so schnell? Zack, zack und dann is der Kopf draußen und der Rest geht dann von selbst...? Pah! Falsch gedacht, Madame. Ich presse und kralle mich an den dafür vorgesehenen Halterungen fest, zerquetsche Manns Hand und heule. Zwischendurch bekomme ich Schüttelfrost artige Anfälle, die immer schlimmer werden, die ich nicht stoppen kann, ich habe einfach keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Dann schimpft Inga immer wieder mit mir "Nicht atmen! Pressen! Fester, noch ein Stück, ja, ja, ich seh das Köpfchen!" - Pause - "Okay, bei der nächsten Wehe dann." Und ich denke mir "Meine Güte, ich brauch aber doch auch Sauerstoff!!! Außerdem will ich nicht, dass mein Kopf platzt!" Immer wieder spüre ich meinen unregelmäßigen Herzschlag und dass ich atmen MUSS, weil ich sonst einen Asthmaanfall bekomme, auch wenn ich weiß, dass ich den Druck konstant halten muss. "Frau MamaSchaf, machen Sie die Augen zu beim pressen!" ich schließe die Augen und Mann flüstert mir ins Ohr "Oder willst du, dass die Augen rausploppen?" - ich muss lachen. 
So geht das eine ganze Weile und ich merke immer mehr, wie meine letzten Energiereserven langsam aufgebraucht sind. Der diensthabende Arzt rauscht ins Zimmer und checkt die Lage. "Das Kind muss jetzt raus, die Herztöne fallen bei den Wehen zu sehr ab." sagt er, aber ich kriege das alles nur noch am Rand mit und Gott sei Dank kann mein Hirn sich in diesem Moment keine Sorgen machen. 
"Wir versuchen das jetzt mit Saugglocke, Frau MamaSchaf." Und schon wird wieder an mir herumgespielt, bei der nächsten Wehe presse ich wieder, was das Zeug hält, aber außer NOCH mehr Schmerz tut sich nichts. Der Arzt brabbelt wieder vor sich hin, ich verstehe nichts davon und werde immer ungeduldiger. Ein paar weitere Saugglockenversuche später hat sich immer noch nichts getan und ich falle in ein erschöpftes, motziges, ungeduldiges, panisches Heulen und schnauze herum, dass ich keinen Bock mehr habe und nicht mehr kann, worauf hin von mehreren Seiten nur kommt "Doch, Frau MamaSchaf, Sie können und Sie müssen!" - okay >.<
Wieder später - ich habe keine Ahnung, obs nur ein paar Sekunden waren oder länger, mir kommt es wie eine Ewigkeit vor - untersucht Inga die Lage des Kindes, wie der Kopf liegt und so weiter und als sie anfängt, abzutasten, habe ich das Gefühl, jetzt, jetzt sterbe ich, so sehr tut es weh. Dann bekomme ich irgendetwas mit von "liegt nicht richtig, hängt fest" oder sowas und ich schreie in den Raum "Holt den jetzt endlich raus da!!!!"

Danach geht auf einmal alles sehr schnell, der Arzt versucht eine andere Saugglocke, ich presse, was das Zeug hält und spüre, dass da jetzt mehr Widerstand ist, dass da was ist, dass es jetzt endlich weiter geht und durch dieses Wissen angespornt beiße ich noch einmal die Zähne zusammen und presse. "Wir machen jetzt einen Dammschnitt, Frau MamaSchaf, sonst klappts wieder nicht." - 'Jaja, macht nur, mir egal, er soll raus!'. Den Schnitt spüre ich nicht, auf einmal ein Ruck und von allen ein erleichtertes "Der Kopf ist draußen", vom Arzt kommt noch "ein Sterngucker" und ich denke Du kleiner Sack, hats nicht gereicht, dass du so früh kommen wolltest? Nein, muss ja noch ne zusätzliche Extrawurschd sein für dich, pfaaaah!  Doch noch bevor die nächste Wehe einsetzt höre ich ein leises Wimmern und alles, einfach alles steht für einen Moment still... Mein Baby ist da...
Noch einmal presse ich, an mir wird gezogen und dann - 14:17 am Mittwoch den 03.11.2010 - fühle ich mich auf einmal wie schwerelos. Leer. Erleichtert. Einfach glücklich. Die Schmerzen von gerade eben sind egal, alles ist egal, ich giere nach meinen Sohn, ich will ihn sehen, ich will ihn halten, ich will ihn riechen, einfach bei mir haben, da wird er mir auch schon, eingewickelt in ein Handtuch, auf die Brust gelegt. Ich weine still und starre unser Wunder an. Mann macht erst ein Foto von uns beiden, legt dann den Arm um mich und ich fühle mich so glücklich, wie noch nie zuvor. Marlene macht mit meinem Handy schnell noch zwei Fotos von uns dreien und dann muss ich Lukas schon dem Kinderarzt übergeben. 
Mann sprintet zum Kinderarzt und begutachtet alles, kann genauso nicht genug von IHM bekommen und ich liege ein bisschen vor mich hin dämmernd einfach so da.
Inga und eine andere Ärztin kümmern sich derweil um die Plazenta, die auch ein wenig Mucken macht, sich nicht lösen will. Der Sohnemann hat die erste Untersuchung über sich ergehen lassen, ohne zu murren und liegt nun wieder auf meiner Brust, nebenbei knetet (das is lieb ausgedrückt) Inga auf meinem Bauch herum und von unten wird an der Nabelschnur gezogen, damit die Plazenta endlich raus kommt. Irgendwann ist auch das geschafft (es tat zwar weh, aber ich war so abgelenkt von Lukas, es war mir so egal...) und man macht sich ans Nähen. 
Dann packt sich irgendjemand - ich weiß nicht mehr wer - Lukas und macht ihn etwas sauber und zieht ihm seine ersten Klamotten an. Nein, sie sagt  "So, der Vater darf gleich mal das Anziehen üben und wir schauen, wie gut er das kann" - ich hätte total geschluckt, Mann macht aber alles erstaunlich souverän und ich bin ur stolz auf ihn. <3
Wir bleiben noch etwa eine Stunde im Kreißsaal, ich darf Lukas gleich das erste mal anlegen und er saugt friedlich vor sich hin, ein paar Formalitäten werden erledigt, aber ich kann mich eigentlich nicht mehr genau erinnern, was alles gemacht wurde, mein Universum dreht sich nur noch um den kleinen Mann. Ich werde irgendwann aufs Klo geschickt, danach darf ich mich anziehen, mich in einen Rollstuhl setzen, Lukas halten und werde in mein Zimmer gebracht. 

Die nächsten Stunden waren sehr verschommen. Ich weiß nicht mehr genau, was ich getan habe - neben Lukas anstarren und fassungslos glücklich sein - aber das ist auch egal. Die Schmerzen waren vorbei. Und im Nachhinein hatte ich wirklich noch Glück. Zwischen Blasensprung und Geburt sind gerade einmal 15 Stunden vergangen. Nicht schlecht für die erste Geburt, würd ich mal sagen. Hätte auch noch stundenlang so weiter gehen können. Ist es aber nicht. Und es ist ja auch egal. Sowas von geringfügig extrem egal.


Lukas, 52 cm, 2820 g, 33 cm Kopfumfang


Und ganz am Schluss möchte ich noch einmal dir danken. Danke, dass du es  durch die Schwangerschaft hindurch mit meinen Launen ausgehalten hast, dass du alles für mich getan hast und dass du bis zum Schluss einfach für mich da warst. Genau so, wie ich das gebraucht habe. Ich liebe dich!

8 Kommentare:

  1. Oh, so schön geschrieben!!!! Von Lachen bis heulen war bei mir mal wieder alles dabei. Und weil hier nun auch der Name steht: Herzlichen Glückwunsch noch einmal zu deinem kleinen Lukas!!

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  2. wow sehr schöner bericht!!von mir auch nochmal herzlichen glückwunsch!!!hoffe euch dreien geht es gut !!

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  3. *ins tatü schnief und feste deine hand drück* mensch herzchen da haben sie aber wat tolles auf die reihe bekommen <3

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  4. Herzlichen Glückwunsch zu Lukas!!! Alles Gute euch ♥

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  5. Auch wenn schon übern Postweg...

    Alles Gute euch 3en <3

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  6. ......*sprachlos*...........*sich der Tränen nicht schäm*......ich bin doch ein ganzer Kerl.......



    Glückwunsch an dich und dein Sternenkind

    Grüße ans Sahnetörtchen

    Nello der Himmelskater

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  7. Herzlichen Glückwunsch und alles erdenklich Gute euch Dreien!

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  8. Hach, wie schön du das geschrieben hast *tränen weg wisch* *schnief*
    Herzlichen Glückwunsch zum Sohnemann!!!!

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